Periodenprodukte als öffentliche Grundausstattung
Es ist ein ganz gewöhnlicher Moment – und doch einer, über den kaum gesprochen wird. Die Periode setzt früher ein als gedacht. In der Schule. In der Uni. In der Bibliothek. Beim Termin im Amt. Wer jetzt kein Hygieneprodukt dabei hat, gerät schnell in Stress. Nicht, weil es dramatisch wäre, sondern weil es im öffentlichen Raum kaum Lösungen gibt.
In Leipzig ist diese Situation Alltag für viele menstruierende Menschen. Und sie wirft eine einfache, aber entscheidende Frage auf: Warum gehören Periodenprodukte in öffentlichen Einrichtungen noch immer nicht zur Grundausstattung?


Menstruation ist kein Ausnahmezustand
Sie betrifft etwa die Hälfte der Bevölkerung – regelmäßig, über Jahre hinweg. Trotzdem wird sie im öffentlichen Raum oft behandelt, als wäre sie Privatsache. Dabei stellen Städte an vielen anderen Stellen ganz selbstverständlich Hygiene bereit: Toilettenpapier, Seife, Papierhandtücher.
Periodenprodukte fehlen meist. Nicht aus bösem Willen, sondern aus Gewohnheit. Und genau hier liegt das Problem. Wer sie nicht zur Verfügung stellt, verschiebt Verantwortung auf Einzelne – und blendet aus, dass Menstruation nicht immer planbar ist.

Schulen, Hochschulen, Jugendorte: Wo es konkret wird
Gerade in Leipziger Bildungseinrichtungen zeigt sich, wie relevant das Thema ist. In Schulen kann das Fehlen von Periodenprodukten dazu führen, dass Schülerinnen den Unterricht verlassen oder sich zurückziehen. An Hochschulen betrifft es Studierende, die oft mit begrenzten finanziellen Mitteln leben und sich zwischen Miete, Semesterticket und Lebenshaltungskosten arrangieren müssen.
Leipzig ist eine junge Stadt, eine Studierendenstadt, eine Stadt der kurzen Wege. Umso erstaunlicher ist es, dass an vielen Orten, an denen sich täglich hunderte Menschen aufhalten, grundlegende Versorgungslücken bestehen. Kostenlose Periodenprodukte wären hier kein Luxus, sondern ein Zeichen von Teilhabegerechtigkeit.

Periodenarmut ist näher, als viele denken
Periodenarmut wird häufig mit extremen Lebenslagen verbunden. Tatsächlich betrifft sie viel mehr Menschen: Alleinerziehende, junge Erwachsene, Studierende, Menschen mit prekären Jobs. Auch in Leipzig.
Wer regelmäßig Einwegprodukte kaufen muss, trägt Monat für Monat zusätzliche Kosten. Das summiert sich – und wird schnell zur Belastung. Kostenlose Produkte in öffentlichen Einrichtungen könnten diese Lücke zumindest teilweise abfedern. Sie ersetzen keine strukturellen Lösungen, aber sie senden ein wichtiges Signal: Du wirst hier mitgedacht.
Ungefähr 500 Euro kosten Menstruationsprodukte pro Jahr, sagen die Grünen. Der Anteil der Menschen in Leipzig, die 2019 armutsgefährdet waren, lag bei 22,7 Prozent. Frauen sowie trans und nicht-binäre Menschen sind überdurchschnittlich von Armut gefährdet oder betroffen, viele davon menstruieren.
Sibel schick am 13.09.2021 im kreuzer Artikel „Würdevoll menstruieren“
Den kompletten Artikel zum Thema „Mit kostenlosen Menstruationsprodukten auf Toiletten hätte die Stadt für mehr Gleichberechtigung und weniger Armut sorgen können – ein Kommentar“ lest ihr hier im kreuzer.
Öffentliche Verantwortung statt stiller Scham
Eine menstruationsfreundliche Stadt erkennt an, dass Körper unterschiedlich funktionieren. Dass Bedürfnisse variieren. Und dass Infrastruktur darauf reagieren kann. Kostenlose Periodenprodukte in Schulen, Bibliotheken, Jugendzentren oder Verwaltungsgebäuden wären ein pragmatischer Schritt – leise, wirkungsvoll, entlastend.
Dabei geht es nicht um Luxusausstattung, sondern um Normalität. Um das gleiche Selbstverständnis, mit dem wir Toiletten ausstatten. Menstruation sichtbar mitzudenken, heißt auch, das Tabu langsam aufzulösen.

Individuelle Lösungen ersetzen keine Struktur
Neben öffentlicher Verantwortung gibt es natürlich auch individuelle Wege, den eigenen Alltag menstruationsfreundlicher zu gestalten. Viele Leipzigerinnen setzen bewusst auf wiederverwendbare Produkte – aus ökologischen, finanziellen oder praktischen Gründen: Perioden Unterwäsche, Menstruations-Cups (in Drogerein erhältlich) oder waschbare Binden, wie es sie z.B. in Leipziger Unverpacktläden gibt, sind nachhaltige Option für den Alltag.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Solche Lösungen können entlasten und unabhängiger machen. Sie dürfen aber nicht als Ausrede dienen, öffentliche Versorgungslücken zu ignorieren. Beides gehört zusammen – persönliche Entscheidungen und städtische Verantwortung.
HTWK: Periodenprodukte für alle!
Ein gutes Leipziger Beispiel gibt es bereits: An der HTWK Leipzig hat der StudierendenRat der HTWK Leipzig schon 2022 Periodenboxen mit kostenlosen Tampons und Binden eingeführt. In ausgewählten Hochschulgebäuden stehen die Produkte seitdem frei zur Verfügung – als unkomplizierte Hilfe im Alltag und als klares Zeichen dafür, dass Menstruation kein Tabuthema sein muss.
Auf jeder Toilette an der Hochschule ist es ganz selbstverständlich, dass es Toilettenpapier gibt, das muss niemand selbst mitbringen. Deshalb ist es nur konsequent, wenn es auf den Toiletten auch Hygieneprodukte für Menstruierende gibt.
erklärt Michel Manthey, Sprecher des StudierendenRates der HTWK Leipzig.

Leipzig hat das Potenzial
Leipzig versteht sich als offene, soziale und progressive Stadt. In vielen Bereichen wird genau das sichtbar: in der Kultur, in der Bildung, im Umgang miteinander. Beim Thema Menstruation steckt noch Entwicklungspotenzial.
Kostenlose Periodenprodukte in öffentlichen Einrichtungen wären kein radikaler Umbruch. Sondern ein stiller Fortschritt. Einer, der den Alltag vieler Menschen erleichtert, ohne großen Aufwand, ohne Symbolpolitik.

Vielleicht beginnt Veränderung genau hier: mit der Anerkennung, dass Menstruation Teil des öffentlichen Lebens ist. Und dass eine Stadt, die für alle da sein will, auch für alle Körper mitdenken sollte.
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