Über einen Monat hinweg verwandeln sie verschiedene Bühnen der Stadt in Orte für Begegnung, künstlerischen Austausch und Geschichten, die mit dem ganzen Körper erzählt werden.
Mit einer Uraufführung, mehreren Wiederaufnahmen, einem Filmabend und einem Workshop zeigt das Leipziger Tanztheater einmal mehr, wie vielfältig zeitgenössischer Tanz sein kann.
Wenn aus einer Lücke neue Möglichkeiten entstehen
Im Mittelpunkt des Festivals steht die Premiere von HIATUS, der neuen Produktion der Company des Leipziger Tanztheaters. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Lücke“ oder „Öffnung“. Genau diesem Dazwischen widmet sich die neue Choreografie von Eva Thielken – einem Raum, in dem Gegensätze aufeinandertreffen, Unsicherheiten entstehen und gerade dadurch Neues wachsen kann.
Nach mehreren Jahren mit internationalen Gastchoreograf:innen übernimmt damit wieder eine langjährige künstlerische Stimme des Leipziger Tanztheaters selbst die Leitung einer großen Company-Produktion.

Gemeinsam mit den Tänzer:innen entwickelt Eva Thielken eine eigene Bewegungssprache, die Unterschiede nicht auflösen möchte, sondern sie bewusst sichtbar macht. Statt Harmonie um jeden Preis stehen Begegnung, Reibung und gegenseitige Wahrnehmung im Mittelpunkt. Es ist ein Stück über das Unvollständige – und darüber, dass genau darin oft die größte Lebendigkeit liegt.
Vier Produktionen, vier Generationen, viele Geschichten
Die Tanztheaterwochen zeigen jedoch weit mehr als nur eine Premiere. Auch die weiteren Companies des Leipziger Tanztheaters präsentieren ihre aktuellen Arbeiten und machen sichtbar, wie unterschiedlich sich gesellschaftliche Themen durch Tanz erzählen lassen.
Mit Interlude Inn nimmt die Juniorcompany der Älteren das Publikum mit an einen imaginären Ort zwischen Aufbruch und Ankunft. Die Choreografie von Clara Sjölin beschäftigt sich mit Übergängen, Entscheidungen und dem Gefühl, zwischen Vergangenheit und Zukunft zu stehen.

Die jüngeren Tänzer:innen widmen sich gleich zwei Produktionen. Während reinpflanzlich poetisch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur erkundet, setzt sich MENSCHINE mit den Spannungsfeldern zwischen Individualität, Anpassung und technologischem Wandel auseinander.


Einen besonderen Blick auf das Älterwerden eröffnet schließlich die Seniorcompany mit Nachhall. Das Stück beschäftigt sich mit Erinnerung, Vergänglichkeit und den Spuren, die gemeinsame Erfahrungen im Laufe eines Lebens hinterlassen.

Gemeinsam entsteht so ein Festivalprogramm, das Generationen verbindet und zeigt, wie unterschiedlich Tanz gesellschaftliche Fragen sichtbar machen kann.
Tanz nicht nur anschauen, sondern selbst erleben
Wer das Leipziger Tanztheater nicht nur von den Zuschauerreihen aus erleben möchte, bekommt während der Tanztheaterwochen ebenfalls Gelegenheit dazu. In einem Workshop mit Eva Thielken erhalten Interessierte Einblicke in die Arbeitsweise von HIATUS.
Mithilfe improvisierter Bewegungsaufgaben und Partnerarbeit erkunden die Teilnehmenden Gegensätze wie Nähe und Distanz, Spannung und Leichtigkeit oder Stabilität und Veränderung – genau jene Themen, die auch die neue Produktion prägen. Das Angebot richtet sich an alle, die Lust haben, zeitgenössischen Tanz einmal selbst körperlich zu erfahren.
Ein Film über eine Ikone des zeitgenössischen Tanzes
Ergänzt wird das Festivalprogramm durch die Filmvorführung „Germaine Acogny“. Der Dokumentarfilm widmet sich einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes und eröffnet spannende Einblicke in ihr Leben, ihre künstlerische Arbeit und ihren internationalen Einfluss auf die Tanzszene.
Damit erweitert das Leipziger Tanztheater die Festivalwochen bewusst über die Bühne hinaus und schafft zusätzliche Perspektiven auf Tanz als gesellschaftliche und kulturelle Ausdrucksform.
Ein Festival, das Generationen verbindet
Seit vielen Jahren gehören die Leipziger Tanztheaterwochen zu den besonderen Kulturformaten der Stadt. Was sie auszeichnet, ist nicht nur die Vielfalt der Produktionen, sondern vor allem die Vielfalt der Menschen auf der Bühne. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senior:innen zeigen hier gemeinsam, wie Tanz unterschiedliche Lebensrealitäten miteinander verbinden kann.
Gerade diese generationenübergreifende Arbeit macht das Leipziger Tanztheater weit über Leipzig hinaus zu einer besonderen Institution der freien Tanzszene. Wer erleben möchte, wie Bewegung Geschichten erzählt und gesellschaftliche Fragen auf überraschende Weise sichtbar werden, findet während der Tanztheaterwochen zahlreiche Gelegenheiten dazu.
Wann? Wie? Wo?
14. Leipziger Tanztheaterwochen
21. August bis 20. September 2026
Weitere Informationen
Spielorte:
- Schaubühne Lindenfels
- LOFFT – Das Theater
- Leipziger Tanztheater
Programm:
- Premiere HIATUS
- Interlude Inn
- reinpflanzlich
- MENSCHINE
- Nachhall
- Workshop mit Eva Thielken
- Filmvorführung „Germaine Acogny“



