Exotica Kabarotica Leipzig

Exotica Kabarotica: Wild Creatures | Queere Show in Leipzig | 26.09.2026

Leopardenmuster trifft auf Glitzer, Burlesque auf Zirkus und irgendwo zwischen Drag, Tanz und großen Bühnenfiguren stellt dieser Abend eine überraschend kluge Frage: Was empfinden wir eigentlich als „exotisch“ – und warum? Am 26. September bringt „Exotica Kabarotica: Wild Creatures“ sechs queere Künstler:innen aus Brasilien, Mexiko, Deutschland und Kurdistan auf die Bühne der BasaMo Insel. Eine Show, die verführen, unterhalten und ganz nebenbei ein paar vermeintliche Selbstverständlichkeiten durcheinanderbringen möchte.

Rot, Gold, Federn, wilde Muster und Körper, die smit ziemlich unterschiedlichen Kunstformen die Bühne erobern: Exotica Kabarotica sieht auf den ersten Blick nach einer herrlich extravaganten Nacht aus. Am 26. September treffen in Lindenau Drag, Burlesque, Zirkus und Tribal Fusion aufeinander. Doch hinter all dem Spektakel steckt eine zweite Ebene – und die beginnt ausgerechnet beim Titel des Abends.

Denn „Wild Creatures“ spielt ganz bewusst mit Vorstellungen vom Fremden, Exotischen und Vertrauten. Was erscheint uns faszinierend, weil es aus einer anderen Kultur stammt? Was haben wir längst so selbstverständlich in unseren Alltag aufgenommen, dass wir seinen Ursprung kaum noch wahrnehmen? Und warum feiern wir kulturelle Vielfalt mitunter begeistert, während die Menschen dahinter sehr viel weniger willkommen sind?

Sechs Wild Creatures, eine Bühne!

Für Antworten gibt es an diesem Abend keinen Vortrag, sondern eine Bühne. Sechs queere Künstler:innen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen übersetzen das Thema in ihre ganz eigenen Kunstformen.

Mit dabei sind Ms. Kala Verita alias Melody Rea aus Mexiko, Jaguar the Red und Lore Graves aus Brasilien, Dalya Rakrak aus Kurdistan sowie Mama Ulita und Luna Laflore aus Deutschland. Gemeinsam entsteht daraus eine rund zweistündige Show zwischen Drag, Burlesque, Zirkus und Tribal Fusion, in der Unterhaltung und gesellschaftliche Fragen nicht nacheinander abgearbeitet werden, sondern ineinandergreifen sollen.

Der Anspruch dahinter ist dabei erstaunlich charmant formuliert: In den einzelnen Darbietungen sollen immer wieder kleine „Das wusste ich gar nicht“-Momente stecken. Statt Multikulturalität abstrakt zu erklären, möchte Exotica Kabarotica also über Performance neugierig machen – und darüber zeigen, wie lange kultureller Austausch unsere Lebenswelt bereits prägt.

Wer entscheidet eigentlich, was exotisch ist?

Die Idee für Exotica Kabarotica stammt von Melody Rea, die selbst als Ms. Kala Verita auf der Bühne steht. Rea kommt aus Mexiko, lebt seit acht Jahren in Deutschland und beschäftigt sich nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Psychologin mit der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Migration.

Dabei interessiert sie ein Widerspruch besonders: Menschen mit Migrationsgeschichte werden keineswegs alle gleich wahrgenommen. Während das vermeintlich „Exotische“ bei manchen fasziniert und gefeiert wird, erleben andere Ablehnung. Exotica Kabarotica ist ihre künstlerische Antwort darauf – und der Versuch, diesen Mechanismus nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mitten in einer schillernden Bühnenshow sichtbar zu machen.

Das macht auch den Titel plötzlich interessanter. Denn sobald etwas als „exotisch“ bezeichnet wird, steht unausgesprochen eine zweite Frage im Raum: Exotisch aus wessen Perspektive?

Die Welt steckt längst in unserem Alltag

Für diese Frage muss der Blick gar nicht besonders weit schweifen. Gewürze, Materialien und kulturelle Einflüsse wandern seit Jahrhunderten über Kontinente und Grenzen. Vieles davon ist inzwischen so fest in unserem Alltag angekommen, dass seine Geschichte kaum noch auffällt. Genau diesen Gedanken nimmt die Show auf und verbindet ihn mit einer deutlich unbequemeren Gegenfrage.

Denn wenn kultureller Austausch unseren Alltag bereichert und ganz selbstverständlich mitprägt – wie passt es dann zusammen, gleichzeitig Menschen abzulehnen, die eben jene kulturelle Vielfalt verkörpern?

So steckt unter der opulenten Oberfläche von Wild Creatures ein ziemlich gegenwärtiges Thema. Melody Rea versteht ihre Show ausdrücklich auch als Reaktion auf eine zunehmend migrationsfeindliche und homophobe Stimmung. Auf der Bühne begegnet sie ihr allerdings nicht mit Schwere, sondern mit Sichtbarkeit: Sechs Künstler:innen, unterschiedliche Biografien und Kunstformen – und ziemlich viel Raum, sie miteinander kollidieren zu lassen.

Erst wird gegessen, dann wird es wild …

Auch der Ort gehört an diesem Abend zur Geschichte. Die BasaMo Insel öffnet bereits um 18 Uhr, zwei Stunden bevor die eigentliche Show beginnt. Wer früh kommt, kann dort mosambikanische Küche und Cocktails genießen und den Abend entsprechend langsam anlaufen lassen.

Um 20 Uhr übernehmen dann die Wild Creatures. Rund zwei Stunden lang darf geguckt, gestaunt und vermutlich an der einen oder anderen Stelle auch die eigene Vorstellung davon überprüft werden, was eigentlich fremd und was längst ziemlich vertraut ist.

Wann? Wie? Wo?

🐆 Exotica Kabarotica: Wild Creatures
Drag · Burlesque · Zirkus · Tribal Fusion

📅 Samstag, 26.09.2026
🚪 Einlass: 18:00 Uhr
✨ Show: 20:00 Uhr
⏳ Dauer: ca. 2 Stunden

📍 BasaMo Insel
Odermannstraße 8
04177 Leipzig

🎟️ Eintritt: 12–20 Euro

🔞 Hinweis: Die Show ist nicht für Kinder geeignet.

📱 Veranstalterin: Melody Rea / @Ms.KalaVerita auf Instagram

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