Queere Kunst
© Andreas Fux & VG Bild-Kunst, Bonn, 2026

Queere Kunst in der DDR | Ausstellung ab 15.10.2026

Was bedeutete es, in der DDR Kunst zu schaffen und gleichzeitig mit einer Liebe, einer Identität oder einem Lebensentwurf zu leben, der nicht in die gesellschaftlichen Vorstellungen passte?

Eine außergewöhnliche Ausstellung bringt ab dem 15. Oktober neun künstlerische Biografien nach Leipzig – und erzählt von Sichtbarkeit und Verstecken, Anpassung und Eigensinn, künstlerischer Freiheit und den Grenzen einer Gesellschaft.

Nach ihrer viel beachteten Präsentation in Berlin zieht die Ausstellung „Queere Kunst in der DDR? Biografien zwischen Underground und Propaganda“ in die Galerie im Neuen Augusteum der Universität Leipzig. Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Keramiken erzählen von neun Künstler:innen, deren Lebenswege sich zwischen persönlichem Ausdruck, gesellschaftlichen Erwartungen und politischen Verhältnissen bewegten.

Queer in der DDR – eine Geschichte voller Widersprüche

Homosexualität wurde in der DDR schrittweise entkriminalisiert. Doch zwischen rechtlicher Veränderung und gesellschaftlicher Akzeptanz lag ein weiter Weg. Gleichgeschlechtliche Liebe blieb stigmatisiert, queere Lebensentwürfe fanden oft nur begrenzt öffentlichen Raum.

Und dennoch entstanden Kunstwerke. Es wurden Bilder gemalt, Menschen fotografiert, Skulpturen geschaffen und Geschichten erzählt. Manche Arbeiten fanden ihren Platz im offiziellen Kunstbetrieb, andere bewegten sich abseits davon.

Die Ausstellung fragt, wie sich persönliche Lebenswirklichkeiten und künstlerisches Schaffen gegenseitig beeinflussten. Welche Freiheiten konnten sich Künstler:innen nehmen? Wo mussten sie sich anpassen? Und wie sichtbar durfte das eigene Leben in der eigenen Kunst werden?

Dabei ist auch der Begriff queer eine bewusste Entscheidung: In seiner heutigen Bedeutung wurde er in der DDR nicht verwendet. Die Ausstellung nutzt ihn rückblickend als übergreifende Bezeichnung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten.

Neun Biografien, viele Perspektiven

Im Mittelpunkt stehen die Lebensgeschichten von Toni Ebel, Andreas Fux, Harry Hachmeister, Jochen Hass, Dorothea von Philipsborn, Erika Stürmer-Alex, Rita „Tommy“ Thomas, Jürgen Wittdorf und Egon Wrobel.

Ihre künstlerischen Arbeiten und persönlichen Wege zeigen, dass es nicht die eine queere Erfahrung in der DDR gab. Die Ausstellung möchte diese unterschiedlichen Biografien sichtbar machen und dazu anregen, bekannte Werke und bislang weniger beachtete Positionen aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Jürgen Wittdirf | Kunstsammlung der Universität Leipzig und KVOST, Berlin

Jürgen Wittdorf – ein Künstler mit Leipziger Geschichte

Besonders spannend ist die Ausstellung auch wegen ihrer Verbindungen zur Leipziger Kunstgeschichte. Zu den vertretenen Künstlern gehört Jürgen Wittdorf, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte und über viele Jahre in Leipzig tätig war.

Seine Arbeiten beschäftigten sich unter anderem mit jungen Menschen, ihren Körpern und ihrem Miteinander. Für die damalige Deutsche Hochschule für Körperkultur schuf er 1963/64 den großformatigen Zyklus „Jugend und Sport“ als öffentliches Auftragswerk.

Gerade diese Verbindung zwischen offiziell beauftragter Kunst und der persönlichen Perspektive eines Künstlers macht neugierig: Was erzählen solche Bilder, wenn man sie nicht nur als Zeugnisse ihrer Zeit betrachtet, sondern auch die Biografie ihres Schöpfers mitdenkt?

Eine Ausstellung, die neue Fragen stellt

Kuratiert wurde die Ausstellung von Stephan Koal vom Berliner KVOST – Kunstverein Ost. Für die Leipziger Präsentation arbeitet der Kunstverein mit der Kustodie der Universität Leipzig zusammen. Anders als zunächst angekündigt, wird die Berliner Ausstellung in Leipzig in abgewandelter Form gezeigt und durch Werke aus der Universitätssammlung ergänzt.

Es geht dabei nicht allein darum, bislang wenig bekannte Künstler:innen wiederzuentdecken. Die Ausstellung lädt auch dazu ein, die Kunstgeschichte der DDR um Perspektiven zu erweitern, die lange nur am Rande erzählt wurden.

Wann? Wie? Wo?

Queere Kunst in der DDR?
Biografien zwischen Underground und Propaganda
15.10.2026 – 06.02.2027
Vernissage: 14.10.2026 | 19 Uhr
Zur Ausstellung

Galerie im Neuen Augusteum
Augustusplatz 10
04109 Leipzig

Eintritt frei

Weihnachtspause: 20.12.2026 – 04.01.2027.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner