Es gibt Gespräche, die einen noch lange begleiten – weil sie Einblicke geben in eine Welt, die vielen verborgen bleibt. Mein Interview mit Maren Lück ist eines davon.
Maren lebt in Leipzig und engagiert sich seit 2022 bei Hunderettung Europa e.V., einem der größten Tierschutzvereine Deutschlands. Sie kümmert sich im Fundraising um die finanzielle Basis der Arbeit, war aber auch schon mehrfach selbst in Rumänien vor Ort, um die Hunde im Partnertierheim zu versorgen und zu unterstützen.

🎧 Das ganze Gespräch mit Maren – jetzt im Podcast
Wer mit ihr spricht, spürt schnell: Hinter jeder Rettung steckt ein komplexes System – und ein riesiges Team von Menschen, die ihre Zeit, Energie und ihr Herz in diese Arbeit investieren. Über 300 Ehrenamtliche sind mittlerweile Teil des Vereins.
In unserem Gespräch erzählt Maren davon, wie Hunderettung Europa arbeitet, warum die Situation in Rumänien so dringend ist, wie eine Rettung abläuft und weshalb nachhaltiger Tierschutz auf vier Säulen ruht: Retten, Vermitteln, Kastrieren und Aufklären.
Ihr Einblick zeigt, wie viel Struktur, Verantwortung und Mitgefühl hinter der Arbeit steckt – und warum Tierschutz nicht nur Tiere rettet, sondern auch Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft miteinander verbindet.
Warum Hunderettung in Rumänien so dringend gebraucht wird
Rumänien gehört seit Jahren zu den Ländern Europas, in denen Straßenhunde ein strukturelles Problem sind. Schätzungen sprechen von mehreren Hunderttausend Tieren, die ohne Versorgung, ohne Schutz und oft ohne Perspektive leben.
Viele dieser Hunde enden in sogenannten Tötungsstationen – Einrichtungen, in denen eingefangene Hunde nach einer kurzen Frist getötet werden können, wenn sie niemand abholt oder adoptiert.
Die Gründe sind vielfältig: mangelnde Kastrationsprogramme, geringe Aufklärung, fehlende Tierheimstrukturen und die schiere Masse an herrenlosen Tieren. Genau hier setzt Hunderettung Europa an – und zwar dort, wo Hilfe buchstäblich Leben rettet.



Retten: Die Situation in Tötungsstationen
Ein Teil der Arbeit des Vereins beginnt dort, wo die Lage am schwierigsten ist: in den Tötungsstationen. Hier landen viele Straßenhunde, nachdem sie eingefangen wurden – oft verängstigt, krank oder geschwächt. Nach einer kurzen Frist droht ihnen die Tötung, wenn niemand sie abholt oder adoptiert.
Um diese Hunde nicht ihrem Schicksal zu überlassen, arbeitet der Verein eng mit lokalen Helfer:innen zusammen und reist regelmäßig mit einem kleinen Team aus Deutschland an. Der Zutritt zu den Einrichtungen erfolgt mit Schutzanzügen, um keine Krankheiten zwischen Tötungsstation und Partnertierheim zu übertragen.
Vor Ort werden die Hunde über die Social-Media-Kanäle des Vereins vorgestellt, um Patenschaften für sie zu finden

Das Partnertierheim in Rumänien – ein sicherer Ort für rund 500 Tiere
Das Partnerheim des Vereins ist ein zentraler Baustein der Arbeit. Hier werden täglich rund 500 Hunde und Katzen versorgt: gefüttert, medizinisch betreut, gepflegt und sozialisiert. Es ist ein Ort, an dem aus traumatisierten Hunden wieder Tiere werden dürfen, die Vertrauen fassen und Stabilität erleben.
Die Hunde bleiben hier, bis ein sicheres Zuhause gefunden ist. Manche – etwa ältere Tiere oder Tiere mit Handicap – werden als sogenannte „Gnadenplatzhunde“ vermittelt. Um diesen Hunden bessere Vermittlungschancen zu geben, übernimmt der Verein die Schutzgebühr und unterstützt bei Bedarf auch bei anfallenden Tierarztkosten.
Jene Hunde, die für ein Leben in einer Familie nicht gemacht sind oder zu großes Misstrauen gegenüber dem Menschen haben, verbringen im Tierheim ihren Lebensabend.



Vermitteln: Mit Herz und Verstand in das passende Zuhause
Die Vermittlung ist ein langer Prozess und alles andere als „mal schnell einen Hund nach Deutschland bringen“. Hunderettung Europa achtet darauf, jedes Tier nur in ein Zuhause zu vermitteln, das wirklich passt. Dazu gehören:
- ausführliche Vorgespräche,
- Selbstauskünfte,
- Vorkontrollen,
- Beratung über Charakter, Bedürfnisse und mögliche Herausforderungen.
Ein schönes Herzensprojekt ist „Senioren für Senioren“: ältere Hunde finden hier ein Zuhause bei älteren Menschen – ein Match, das oft beiden Seiten Ruhe, Nähe und Struktur schenkt.
Kastrieren: Die Basis nachhaltigen Tierschutzes
Rettung allein löst das Problem nicht. Deshalb ist die Kastration ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit – und langfristig der wirkungsvollste Weg, um Leid zu reduzieren.
Jeden Monat lässt der Verein hunderte Tiere kastrieren:
- Straßenhunde,
- private Hofhunde,
- Tiere aus der Nachbarschaft,
- Katzenkolonien.
Nur wenn weniger Tiere geboren werden, kann langfristig und nachhaltig das Tierleid beendet werden.
Aufklären: Tierschutzunterricht für Kinder & Wissen für die Zukunft
Tierschutz beginnt im Kopf – und oft schon bei den Jüngsten. Deshalb bietet der Verein Tierschutzunterricht für Kinder an, besucht Schulen und erklärt spielerisch, was Verantwortung im Umgang mit Tieren bedeutet. Nur in Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort kann eine nachhaltige Verbesserung ermöglicht werden.
Auch in Deutschland klärt Hunderettung Europa über Tierschutzthemen auf und gibt Wissen und Erfahrung an andere Tierschutzorganisationen weiter.

Wie kann man sich engagieren oder unterstützen?
Ob in Rumänien oder von der eigenen Stadt aus – es gibt viele Wege, wie Menschen helfen können:
- Ehrenamt im Kommunikationsbereich, in der Vermittlung, der Social-Media-Arbeit oder einem der vielen anderen Teams
- Mitreisen nach Rumänien, um im Partnertierheim zu helfen
- Patenschaften für Hunde oder Katzen
- Spenden für Futter, Kastrationen oder medizinische Versorgung
- Sachspenden an Tiertafeln und Partnerorganisationen
- Aufklärung, indem man über die Situation in Rumänien spricht
Jedes Engagement – ob groß oder klein – verändert etwas.
Mehr als Rettung: Eine Gemeinschaft von 300 Ehrenamtlichen
Über 300 Menschen engagieren sich inzwischen für Hunderettung Europa. Sie planen Transporte, pflegen Social Media, organisieren Fundraising, begleiten Vermittlungen, halten Kontakt zu Tierheimen und kooperierenden Stellen – und viele von ihnen reisen regelmäßig selbst nach Rumänien.
Diese Gemeinschaft zeigt: Tierschutz ist nicht bloß ein Hobby. Es ist eine Verantwortung – und oft ein zweites Zuhause.

Fazit: Warum diese Arbeit so wichtig ist
Hunderettung Europa steht für einen Tierschutz, der weit über spontane Hilfsaktionen hinausgeht.
Der Verein verbindet unmittelbare Rettung mit langfristigen Lösungen – eine Kombination, die in Rumänien dringend gebraucht wird.
Vier Säulen tragen die Arbeit: Retten. Vermitteln. Kastrieren. Aufklären. Und jede dieser Säulen rettet Leben – heute, morgen und in Zukunft. Wer sich für Tiere einsetzt, verändert nicht nur deren Welt. Er verändert auch ein kleines Stück von unserer.

WANN? WIE? WO?
Hunderettung Europa e.V.
Tierschutzverein
300 Ehrenamtliche
hunderettung-europa.de


